Welche Bedeutung hat die Atmung in der Skoliosetherapie?
Die Lungenflügel sind im Brustkorb eingebettet und benötigen eine elastische sowie möglichst symmetrische Ausdehnung des Rippenkorbs, um eine optimale Atemkapazität zu gewährleisten. Durch die Verdrehung des Brustkorbs bei einer Skoliose kommt es jedoch zu einer asymmetrischen Entfaltung der Lungen. Die Rippen sind auf einer Seite eingesunken (Rippental) und auf der anderen Seite nach außen verdreht (Rippenberg).
Während sich die Lunge im Bereich der eingesunkenen Rippen nicht frei entfalten kann, wird sie auf der gegenüberliegenden Seite stärker belastet. Dies kann nicht nur zu einer eingeschränkten Lungenfunktion führen, sondern auch das Herz zusätzlich belasten. Bei höhergradigen Skoliosen weicht die Wirbelsäule deutlich von der physiologischen Mittellinie ab. Dadurch kann es zu einer Verlagerung der inneren Organe kommen. In ausgeprägten Fällen kann sich sogar die Lage des Herzens verändern und es kann nach rechts verlagert werden.
Die Atemhilfsmuskulatur liegt rund um den Brustkorb und zwischen den einzelnen Rippen. Sie kann deshalb aktiv und effizient die Korrektur des Brustkorbs unterstützen, da bei jedem Atemzug eine durch die Muskulatur gesteuerte Rippenbewegung stattfindet. Durch gezielte Atem- und Bewegungsübungen wird bewusst in die eingesunkenen Bereiche des Brustkorbs eingeatmet, um diese gezielt zu erweitern, während bei der Ausatmung die Korrektur gehalten und gleichzeitig die Wirbelsäule aktiv aufgerichtet wird.
Wie sieht das praktisch aus?
Ein Patient mit einer rechtskonvexen Skoliose lernt beispielsweise, bewusst dreidimensional in die linke, oft eingesunkene Brustkorbseite (Rippental) einzuatmen, während er gleichzeitig seine Wirbelsäule aktiv in die Länge zieht und aufrichtet. In der Ausatmungsphase wird der herausstehende Rippenbereich (Rippenberg) dreidimensional nach innen gezogen.
Spezielle asymmetrische Ausgangsstellungen der Arme und Beine, Spiegelkontrolle sowie taktile Reize des Therapeuten unterstützen diesen Prozess. Mit zunehmendem Therapiefortschritt werden die Atemdauer und die Anzahl der Wiederholungen schrittweise erhöht und in spezielle Skolioseübungen integriert, um den gesamten Körper muskulär in der korrigierten Stellung zu stabilisieren.
Wird ein Korsett getragen, erfolgt die Einatmung dreidimensional korrigierend in die offenen Bereiche des Korsetts. Da ein Korsett an den Rippenbergen bereits durch den Druck der Pelotten eine dreidimensionale Korrektur erzielt, muss der Rippenberg innerhalb des Korsetts nicht zwingend aktiv nach vorne innen gezogen werden. Die Schroth-Atmung im Korsett zielt vorwiegend darauf ab, die Rippentäler möglichst weit in die offenen Bereiche des Korsetts auszudehnen.
Die Schroth-Therapie gehört heute zu den am besten untersuchten konservativen Behandlungsmethoden der Skoliose. Die Schroth-Atmung ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
