Weshalb können lokale Schmerzen an der Wirbelsäule bei einem Bandscheibenvorfall ein positives Zeichen sein?
Reißt der äußere Faserring einer Bandscheibe, kann der gallertartige Kern nach außen austreten und auf umliegende Nervenstrukturen oder das Rückenmark drücken. Dadurch können starke Nervenschmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere neurologische Symptome in Armen oder Beinen entstehen. In schweren Fällen können auch Muskelschwächen oder Lähmungserscheinungen auftreten, die eine rasche medizinische Abklärung und gegebenenfalls eine operative Behandlung erforderlich machen.
Die ersten Anzeichen einer Bandscheibenschädigung treten häufig schon lange vor einem eigentlichen Bandscheibenvorfall auf. Betroffene berichten oftmals über lokale Schmerzen im Bereich des entsprechenden Wirbelsäulenabschnitts. Diese Beschwerden können Ausdruck von Verschleißprozessen oder einer zunehmenden Belastung der Bandscheibe sein. Werden die zugrunde liegenden Ursachen nicht ausreichend behandelt, kann es schließlich zu einem Einriss des Faserrings und zum Austritt von Bandscheibengewebe kommen.
Übt das ausgetretene Bandscheibenmaterial Druck auf eine Nervenwurzel aus, entstehen typischerweise ausstrahlende Beschwerden im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs. Dabei nehmen die lokalen Schmerzen an der Wirbelsäule häufig ab, während Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen stärker in den Vordergrund treten. So können beispielsweise Beschwerden nur noch in einzelnen Fingern oder in einem umschriebenen Bereich des Unterschenkels wahrgenommen werden.
Bei anhaltender Nervenkompression kann sich die Funktion des Nervs zunehmend verschlechtern. Während die Schmerzen nachlassen, können Gefühlsstörungen, Kraftverlust und schließlich Lähmungserscheinungen auftreten. Diese Entwicklung wird von Betroffenen nicht selten als Besserung missverstanden, obwohl sie auf eine zunehmende Schädigung der Nervenfunktion hinweisen kann.
In der Physiotherapie wird unter anderem das McKenzie-Konzept eingesetzt. Ziel ist es, durch gezielte Bewegungen und Übungen die mechanische Belastung der betroffenen Nervenstrukturen zu reduzieren und die Beschwerden günstig zu beeinflussen.
Ein besonders positives Zeichen im Rahmen dieser Behandlung ist die sogenannte Zentralisation. Darunter versteht man die Rückverlagerung der Beschwerden aus Armen oder Beinen in Richtung Wirbelsäule. Schmerzen, die zuvor bis in die Hand oder den Fuß ausgestrahlt haben, ziehen sich dabei schrittweise zurück und konzentrieren sich wieder auf ihren Ursprungsbereich an der Wirbelsäule.
Obwohl dies für Betroffene zunächst so wirken kann, als würden die Rückenschmerzen zunehmen, gilt die Zentralisation aus physiotherapeutischer Sicht als ein sehr günstiges Zeichen. Sie deutet darauf hin, dass die Reizung der Nervenwurzel abnimmt und sich die Beschwerden in eine positive Richtung entwickeln.
